Neu fokussiert

Quelle: Cicero

Als Marc Fielmann das Optikerimperium seines Vaters Günther übernahm, war er gerade einmal 30 Jahre alt – und trat in Fußstapfen, die größer nicht hätten sein können.

Von Kristina Läsker

Schloss Plön ist eines der schönsten Schlösser Schleswig-Holsteins. Vor 300 Jahren residierten hier Herzöge. Heute gehört der weiße Prachtbau der Fielmann-Gruppe, sie schult hier Augenoptiker und Hörakustiker. Im September war im Schloss etwas Erstaunliches zu beobachten, nämlich das Ergebnis der Grunderneuerung der Optikerkette. Der Vorstandsvorsitzende Marc Fielmann hatte die Top 100 der Führungskräfte des Unternehmens zum Teambuilding eingeladen. Diese hätten sich anfangs nach Betriebszugehörigkeit in einer Reihe aufgestellt, berichtet der 36-Jährige. Das Ergebnis verblüffte sogar ihn: Denn nur knapp die Hälfte war länger als vier Jahre dabei. „Es gab einen Generationswechsel“, sagt der junge Firmenchef, fast so als habe er damit nichts zu tun. Dabei hatte er diesen Wechsel selbst vorangetrieben.

Marc Fielmann löste im Jahr 2019 seinen Vater Günther an der Spitze des Unternehmens ab. Der Gründer, er ist 2024 gestorben, hatte einst aus einem kleinen Fachgeschäft in Cuxhaven eine Optikerkette von Weltrang geformt, zu der heute mehr als 1250 Filialen in Europa und den USA zählen. Mit Niedrigpreisen für attraktive Modelle hatte Günther Fielmann damals den starren Markt aufgebrochen und die Herzen der Brillenträger erobert. Mehr als 50 Jahre nach ihrer Gründung im Jahr 1972 beschäftigt die Firma heute rund 24 200 Menschen und ist an der Börse notiert. Die Familie kontrolliert über eine Stiftung etwa 73 Prozent der Aktien.

In Deutschland stammt mehr als jede zweite Brille von Fielmann, nahezu jeder kennt die Marke. „Das waren extrem große Fußstapfen“, sagt Marc Fielmann über seinen Einstieg ins Familiengeschäft, der für ihn Privileg und Last zugleich war. Denn die Kette war auf seinen Vater, den Patriarchen, zugeschnitten. „Es gab eine klare Hierarchie und viel klassisches Denken“, so der Junior. Als Chef erbte Marc Fielmann 300 Führungskräfte, die früher direkt an seinen Vater berichteten. Und eine Belegschaft, die klare Ansagen gewohnt war.

Vieles war neu für den jungen Fielmann. Nach dem Abitur hatte er eine Ausbildung zum Augenoptiker im eigenen Betrieb gemacht, anschließend an der renommierten London School of Economics studiert. Für Praktika ging er in andere Firmen. Doch schon mit 23 stieg er in den väterlichen Betrieb ein, nur wenige Jahre später wurde er Chef. Es folgten Pandemie, Ukrainekrieg, Wirtschaftskrise – und die Einsicht, dass die Gruppe stagnieren würde, wenn sie keine neue Führungskultur bekommt.

Heute berichten nur noch zehn Mitarbeiter an Marc Fielmann. Durch das Delegieren hat er mehr Freiräume, doch er muss viel erklären: „Mein Vater konnte per Ansage etwas verlangen“, sagt er. Er selbst verlangt von sich, dass er mit Daten und Fakten überzeugt. Vor drei Jahren schaffte Fielmann das Siezen ab, das Duzen soll den Austausch verbessern. Gerade ist die Firma umgezogen, die neue Zentrale in Hamburg-Barmbek steht für eine andere Kultur: Es gibt offene Bereiche statt Einzelbüros, geschwungene Treppen und Brücken, gedeckte Farben. Eine hübsche, moderne Arbeitswelt, die allerdings nicht zu Gemütlichkeit einladen soll. „Ich habe extrem viel gearbeitet, um mir dieses Erbe zu verdienen“, sagt Fielmann. Und dieses Arbeitsethos verlangt er auch von anderen. Wie sein Vater hält er penibel daran fest, dass der Kunde immer im Mittelpunkt steht: „Wir haben 30 Millionen Kunden und keine Garantie, dass sie morgen wiederkommen.“

Vor kurzem legte der Firmenchef neue ehrgeizige Ziele vor. Er wolle die Kette zu „einem globalen Versorger rund um Augen und Ohren entwickeln“, versprach Marc Fielmann vor Investoren. In den kommenden fünf Jahren soll der Umsatz von 2,5 auf 4,0 Milliarden Euro steigen. Dafür will die Gruppe in Europa doppelt so viele Hörsysteme verkaufen wie bisher und mehr Amerikaner für eine Brille made by Fielmann begeistern. Durch Zukäufe von US-Firmen betreibt die Kette 220 Filialen im mittleren und oberen Westen, auch diese Zahl würde der Chef gerne verdoppeln.

Um diese Ziele zu erreichen, verbrachte die Familie Fielmann den August in den USA, besuchte ihre dortigen Brillenläden und traf Mitarbeiter. Dass Marc Fielmann in den Staaten auch ein bisschen Urlaub machen konnte, verdankt er seiner Frau. Denn die kassiert, nach Absprache, gerne mal sein Handy ein.

Kristina Läsker ist freie Journalistin und lebt in Hamburg.

© Alle Rechte vorbehalten. Cicero. Text: Kristina Läsker. Foto: Julia Knop

Pressekontakt

Ihre Ansprechpartner

Katrin Carstens

Leiterin Kommunikation & Public Relations
E-Mail: presse@fielmann.com

Nils Scharwächter

E-Mail: investorrelations@fielmann.com