Von Susanne Link
Moritz Schularick will „noch schärfer gucken, noch schärfer analysieren“. Für dieses Ziel bekommt der Präsident des Kieler Instituts für Weltwirtschaft (IfW) nun prominente Unterstützung: Die von Marc und Sophie Fielmann ins Leben gerufene Förderstiftung ermöglicht ab April eine neue Professur für globale Transformation.
Dass ausgerechnet die Optiker-Familie dem Institut und der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) unter die Arme greift, hat Symbolkraft. Was das Unternehmen für die Sehkraft seiner Kunden leistet, soll der neue Professor nun im übertragenen Sinne für die Wissenschaft tun: den Durchblick behalten. Und bei den wirtschaftlichen Folgen globaler Krisen und Kriege noch genauer hinsehen. „Angesichts der aktuellen Herausforderungen erweitert die Professur unsere personellen und finanziellen Kapazitäten erheblich“, sagt Schularick.
Sein neuer Job biete die Gelegenheit, langfristige globale Umbrüche „in ihren vielfachen Verflechtungen zu untersuchen – von wirtschaftlicher Entwicklung in schrumpfenden Regionen über Fluchtmigration bis hin zu Kriegs- und Nachkriegstransformationen“, sagt der frisch berufene Professor Sebastian Till Braun.
Der 47-Jährige hat seine Promotion an der Humboldt-Universität zu Berlin mit der Bestnote „summa cum laude“ abgeschlossen. Vor seiner Berufung nach Kiel war er unter anderem an den Universitäten Bayreuth und St Andrews in Schottland tätig.
Das 1914 gegründete Institut zählt zu den führenden deutschen Wirtschaftsforschungsinstituten und wird im Wesentlichen durch Bund und Land finanziert. Nur Brauns Stelle zahlt die Fielmann Förderstiftung. Dotiert ist sie mit knapp einer Million Euro für rund fünf Jahre. „Gerade in Zeiten knapper öffentlicher Mittel ist privates Engagement entscheidend, um innovative Forschung und gesellschaftlich relevante Themen voranzubringen“, sagt Marc Fielmann bei der Vorstellung des Professors in Kiel. „Wenn wir Erfolg haben wollen, ist es wichtig, dass Politik, Wirtschaft und Wissenschaft eng zusammenarbeiten“, sagt der Vorstandsvorsitzende der Fielmann-Gruppe, dessen Vermögen das Forbes-Magazin auf 3,6 Milliarden US-Dollar schätzt.
Marcs Vater Günther Fielmann, Ehrenbürger des Landes, war bis zu seinem Tod im Jahr 2024 für sein gesellschaftliches Engagement bekannt. Seine Kinder wollen dieses Vermächtnis fortführen. „Ich fühle mich als Schleswig-Holsteiner meiner Heimat verpflichtet“, sagt Marc Fielmann. Mit der neuen Professur wolle die Stiftung nicht nur die Wettbewerbsfähigkeit des Instituts stärken, sondern auch „wichtige Impulse für einen fundierten wissenschaftlichen Diskurs aus Norddeutschland in die Welt senden“. Für Marc Fielmann schließt sich damit auch ein persönlicher Kreis: Er selbst war bereits während seiner Studienzeit als Praktikant am IfW tätig. Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) dankt den Kindern des Brillen-Firmengründers. „Mit Stiftungsprofessuren haben wir in Schleswig-Holstein nicht so viele Erfahrungen. Ich wünsche mir aber, dass euer Beispiel auch andere hellhörig macht“, sagt Günther. Am IfW würden globale Umbrüche nicht nur analysiert, sondern auch konkrete Lösungsvorschläge erarbeitet. Günther: „So können wissenschaftliche Erkenntnisse direkt in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft einfließen und dabei helfen, auf die aktuellen weltpolitischen Herausforderungen zu reagieren.“
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